Statistiker waren von der Niederlage des 1. FC Union Berlin gegen den 1. FC Heidenheim nicht überrascht. Das 1:2 war die zehnte Niederlage im 17. Duell zwischen diesen beiden Mannschaften. Seit dem Bundesliga-Aufstieg der Heidenheimer vor zweieinhalb Jahren hat Union lediglich einen Punkt gegen die Schwaben erzielt. Dies macht die Mannschaft von Frank Schmidt zu Unions unangefochtenem Angstgegner, selbst die Bilanz gegen den FC Bayern ist in dieser Zeit besser. Diese Situation verdeutlicht ein langjähriges Problem.
Union kann Ballbesitz nicht nutzen
Union Berlin hat seit Jahren Schwierigkeiten, mit eigenem Ballbesitz effektiv umzugehen. Daher setzen die Köpenicker traditionell auf lange Bälle, um das Spielfeld zu überbrücken, und auf Laufbereitschaft sowie viele Zweikämpfe, um den Gegner zu zermürben. Diese Spielweise hat den Berlinern den Ruf eingebracht, ihr „Union-Fußball“ sei ein geflügeltes Wort geworden. Trainer Steffen Baumgart beschrieb dies im Vorfeld des Spiels als „mit viel Leidenschaft und Kampf sowie Möglichkeiten im Kleinen wie im Großen“ und betonte: „Wir werden versuchen, uns das zu erarbeiten und alles daransetzen, am Ende als Sieger vom Platz zu gehen.“
Obwohl diese Herangehensweise der Mannschaft in dieser Saison bereits einige Punkte eingebracht hat, wie beispielsweise im Spiel gegen St. Pauli, war sie am Samstag der Grund, warum die Zuschauer keinen Qualitätsunterschied zwischen den Teams erkennen konnten. Dies geschah trotz der Tatsache, dass Heidenheim im Ligavergleich die wenigsten Tore erzielt und die meisten kassiert.
Fehlerhafte Spielweise und ungenaue Pässe
Der gebürtige Schwabe Rani Khedira äußerte nach dem Spiel: „Diese Niederlage war vermeidbar gewesen.“ Teil einer Vermeidungsstrategie hätte die Videoanalyse des letzten Sieges gegen St. Pauli sein können. Wie gegen Heidenheim ging Union auch dort kurz vor der Pause in Führung. Dennoch geriet die Mannschaft im Verlauf der zweiten Halbzeit trotz ihrer Führung in Bedrängnis, weil sie den Ball zu schnell wieder abgaben und sich passiv zurückzogen.
Wie fatal diese Kombination ist, zeigte sich am Samstag vor dem Ausgleich von Heidenheim. Andrej Ilic erhielt den Ball mit dem Rücken zur Heidenheimer Verteidigung, legte jedoch zu unsauber ab und verschenkte die Chance zu kontern. Als die Gäste nach ihrem Ballgewinn auf die tiefstehende Union-Abwehr zuliefen, fehlte der Druck auf ihren Kreativspieler Arijon Ibrahimovic, der ohne Mühe in den Rücken von Tom Rothe spielte. Ein Pass später lag der Ball im Tor.
Steffen Baumgart stellte fest: „Man habe es nicht geschafft, aus guten Möglichkeiten Torchancen zu machen. Damit lässt man den Gegner leben.“ Trotz seiner zutreffenden Analyse der Fehler auf dem Platz war Baumgart nach dem Spiel im Interview ratlos über die Ursachen.
Union-Fußball als selbsterfüllende Prophezeiung
Es ist schwer zu verstehen, warum talentierte Bundesliga-Spieler wie Ilyas Ansah, Tom Rothe, Derrick Köhn, Andrej Ilic oder Aljoscha Kemlein in entscheidenden Momenten ihre Pässe und Flanken zu scharf, zu lasch oder zu ungenau spielten. Sie haben bereits bewiesen, dass sie es besser können. Möglicherweise sind Unkonzentriertheiten im Ballbesitz das Ergebnis einer Mentalität, die darauf abzielt, dem Gegner ohne Ball das Leben schwer zu machen.
In diesem Sinne wurde der oft erfolgreiche „Union-Fußball“ und sein Vertrauen auf die Defensivarbeit am Samstag zur selbsterfüllenden Prophezeiung. Dennoch haben Baumgart und seine Spieler in dieser Saison bereits gezeigt, dass sie auch anders spielen können. Beim 4:3-Sieg über Eintracht Frankfurt glänzten die Köpenicker mit blitzschnellen und technisch sauberen Kontern. Im 2:2 gegen den FC Bayern brachten sie den Rekordmeister an den Rand einer Niederlage, weil sie offensiv dachten und sich in der ersten Halbzeit tief in Bayerns Hälfte festsetzten.
Diese Erinnerungen sollten Baumgart im Hinblick auf die nächste Führung seiner Mannschaft im Gedächtnis bleiben. Vielleicht hilft dies den Spielern, am Ball fokussierter zu bleiben.
Rani Khedira, der gegen Heidenheim zum zwischenzeitlichen 1:0 traf, hat sich in dieser Saison als wichtiger Spieler etabliert. Sein Tor war bereits das dritte in dieser Saison. Bemerkenswert war nicht nur der Abschluss, sondern auch sein Beitrag zur Entstehung des Treffers. Khedira setzte eine Minute vor seinem Tor zu einem Tiefenlauf an, der Heidenheim zwang, sich weit zurückzuziehen, was ihm schließlich ermöglichte, unbedrängt aus etwa 14 Metern ins Tor zu schießen. „Mir fallen die Bälle vor die Füße und ich antizipiere sie gut“, erklärte er und gab zu, sich mittlerweile „ein Stück weit wie ein Angreifer“ zu fühlen. Diese Aussage war vor der Saison kaum vorstellbar. Trotz der Niederlage gegen Heidenheim ist eine Überraschung im Pokalspiel gegen Bayern (Mittwoch, 20:45 Uhr) nicht ausgeschlossen, unabhängig von den Statistiken.
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