Der 1. FC Union Berlin kann auf ein Jahr zurückblicken, das auf den ersten Blick unscheinbar wirkt, jedoch positiver einzuschätzen ist, als es scheint. Nach der Trennung von Urs Fischer, einem Publikumsliebling, suchte der Verein lange nach dem passenden Trainer. Nenad Bjelica, Marco Grote und Bo Svensson konnten den Köpenickern die notwendige Konstanz nicht bieten, die Fischer in wenigen Jahren von der 2. Liga bis in die Champions League geführt hatte.
Vor fast einem Jahr wurde die Verpflichtung von Trainer Steffen Baumgart bekannt gegeben. Nach anfänglichen Herausforderungen gelang es ihm, dem Team die benötigte Stabilität zu verleihen und die Defensive zu einer Stärke des Union-Teams zu entwickeln. Einige Spieler haben sich dabei besonders hervorgetan.
Der Durchstarter: Leopold Querfeld
Der Name Leopold Querfeld ist in Köpenick untrennbar mit solider Defensivarbeit verbunden. Trainer Baumgart fand in dem jungen Österreicher das fehlende Puzzlestück zwischen Danilho Doekhi und Diogo Leite. Unter Baumgart entwickelte sich Querfeld zum Schlüsselspieler, besonders herausragend war sein „Tor des Monats“ aus 35 Metern beim spannenden 4:4 gegen Stuttgart.
Der 22-Jährige bringt sämtliche sportlichen Fertigkeiten mit, die für die Fünferkette von Union erforderlich sind. Neben seiner defensiven Robustheit und Kopfballstärke zeigt er bereits in jungen Jahren Führungsqualitäten, die in Anbetracht möglicher Abgänge von Leistungsträgern von Bedeutung sind. Dies stellte er auch in der DFB-Pokal-Niederlage gegen Bayern München unter Beweis, als er beide Elfmeter souverän verwandelte.
Die Konstante: Danilho Doekhi
Die aktuelle Saison von Danilho Doekhi wird von den Union-Fans mit gemischten Gefühlen verfolgt. Der Verteidiger, der in der vergangenen Spielzeit zeitweise als Kapitän agierte, hat in dieser Saison noch kein Spiel verpasst und zählt zudem zu den torgefährlichsten Verteidigern Europas. In der laufenden Bundesliga erzielte er vier Tore, während im DFB-Pokal zwei weitere hinzukommen. Damit gehört er zu Unions zweitgefährlichsten Torschützen.
Dies wäre alles positiv, wenn nicht sein Vertrag im Sommer 2026 ausläuft. Derzeit sieht es nicht danach aus, als ob er oder Diogo Leite verlängern werden. Dies könnte für die Eisernen nicht nur den Verlust zweier ihrer besten Verteidiger bedeuten, sondern auch eine verpasste Gelegenheit für wichtige Transfereinnahmen darstellen.
Die Hoffnung: Aljoscha Kemlein
Im vergangenen Jahr wurde Aljoscha Kemlein bereits als „Die Entdeckung“ gewürdigt und bestätigte in diesem Jahr seinen Wert. Nachdem er die meisten Spiele der Rückrunde verletzungsbedingt ausfallen musste, meldete sich der 21-Jährige eindrucksvoll zurück. Seit dem siebten Spieltag stand er in jeder Partie von Beginn an auf dem Feld.
In Kombination mit Rani Khedira bringt er wichtige spielerische Aspekte in das ballbesitzschwache Spiel der Unioner ein. Kemlein könnte perspektivisch die Rolle des erfahrenen, aber älter werdenden Khedira übernehmen. Zudem könnte er der erste Spieler sein, der den Sprung vom eigenen Nachwuchs in die Profimannschaft realisiert, sofern er verletzungsfrei bleibt.
Die Entdeckung: Iljas Ansah
Iljas Ansah, der erst seit dem Sommer bei Union spielt, hat sich mit einem herausragenden Auftakt in Erinnerung gebracht. Im ersten Spiel der Saison gegen den VfB Stuttgart erzielte der 21-jährige Stürmer gleich zwei Tore.
Trotz seiner Größe von 1,97 Metern verfügt er über starke Fähigkeiten im Eins-gegen-Eins und ist ein echter Unterschiedsspieler. Zudem zeigt er in Interviews eine bescheidene und dankbare Haltung, was wohl dazu führte, dass Geschäftsführer Horst Heldt etwa vier Millionen Euro für ihn investierte. Auch in schwierigen Phasen der Offensive arbeitete er unermüdlich für das Team und demonstrierte die „Union-Tugenden“.
Luft nach oben: Andras Schäfer
Die letzte Saison war für Andras Schäfer gemischt. Er konnte zwar gelegentlich in der Startelf stehen, doch langfristig war er nie fest eingeplant, teilweise bedingt durch Verletzungen.
Dennoch zeigt der 26-Jährige immer wieder, wie wertvoll er für das Team sein kann. Als Verbindungsglied zwischen Defensive und Offensive hat er das Potenzial, im Umschaltspiel der Berliner einen erheblichen Beitrag zu leisten. Um dies zu erreichen, benötigt er jedoch mehr Konstanz in seinem Spiel und muss seine Rolle im Team klarer definieren.
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