Im Fußball gibt es gelegentlich Momente, die absolut überraschend sind. So musste der ikonische Spruch von Sepp Herberger am Samstagabend erneut hinterfragt werden. Hätte Herbergers Aussage, „Ein Spiel dauert 90 Minuten“, als unumstößliches Gesetz gegolten, wären die Akteure des 1. FC Union mit einem unzufriedenen 0:0 gegen den 1. FC Köln in die kurze Winterpause gegangen.
Union Berlin profitiert von langer Spielzeit
Doch da die Spiele in der Fußball-Bundesliga mittlerweile im Durchschnitt 100 Minuten dauern, dürfen Kapitän Christopher Trimmel und seine Mitspieler die festlichen Tage mit einem positiven Gefühl verbringen. Dies verdanken sie insbesondere Andras Schäfer, dessen Schuss aus der Strafraummitte am Samstag den 1:0-Sieg gegen Köln sicherte. Dieser Treffer stellte auf mehreren Ebenen einen Erfolg des richtigen Timings dar.
In der ersten Halbzeit deutete vieles darauf hin, dass ein Sieg für Union Berlin ebenso unwahrscheinlich war wie ein Fußballspiel, das tatsächlich nur 90 Minuten dauert. „Das war vom Spielverlauf her glücklich“, äußerte Trainer Steffen Baumgart nach der Partie. In anderen Worten: Baumgarts Mannschaft schien bis zur 83. Minute offensiv fast vollkommen aktionslos.
Offensive Statistiken und Wendepunkt der Partie
Selbst wenn man die noch relativ neue, aber mittlerweile etablierte Statistik der „Expected Goals“ betrachtet, spricht eine Halbzeit mit einem statistischen Erwartungswert von nur 0,16 Toren für eine gewisse Gefahrenlosigkeit. Spieler wie Oliver Burke, Ilyas Ansah und Wooyeong Jeong hinterließen am Samstag einen bestenfalls minimalen Eindruck.
Wenn an diesem Tag eine Mannschaft gefährliche Abschlüsse kreieren konnte, dann war es der 1. FC Köln. „Ich glaube, hätten wir uns am Ende über ein 0:0 unterhalten, hätte sich niemand beschweren dürfen“, analysierte Baumgart.
Der Wendepunkt ereignete sich ab der 83. Minute, als Kölns Rav van den Berg als letzter Mann den Ball an die Hand bekam. Aus Sicht des Schiedsrichters Christian Dingert verhinderte er damit eine klare Torchance und erhielt folglich die Rote Karte.
Schäfer erzielt den entscheidenden Treffer
Gegen zehn Spieler gelang es Union anschließend, das zu erreichen, was zuvor gegen elf nicht gelungen war: Zunächst hatte Andras Schäfer, den Trainer Baumgart in der 84. Minute einwechselte, die erste Torchance. Die zweite wurde von Kölns Stürmer Marius Bülter in der 90. Minute auf der Linie vereitelt.
In der ersten von sechs angezeigten Minuten Nachspielzeit war es dann Schäfer, der nach einer Union-Ecke den richtigen Platz einnahm. Mit einem präzisen Schuss erzielte er schließlich das entscheidende Tor und sicherte Union den Sieg.
Defensive Leistung und festliche Stimmung
Der Erfolg von Union mindert nicht die gute Defensivarbeit, die diese Leistung erst ermöglichte. Insbesondere Leopold Querfeld erwies sich als zuverlässiger Rückhalt während der Kölner Angriffe. Nach dem Spiel äußerte Querfeld, der an diesem Tag seinen 22. Geburtstag feierte: „Der Sieg war heute mein Geburtstagswunsch und die Mannschaft hat ihn mir erfüllt.“
Mit diesem Erfolg beendet Union Berlin das Jahr 2025 auf einem guten Platz in der Tabelle und kann mit einem Gefühl der Zufriedenheit in die Feiertage gehen. Es ist ein schöner Abschluss, der es den Köpenickern ermöglicht, die kommenden Wochen mit dem Wissen zu genießen, einen direkten Konkurrenten mit sechs sieglosen Spielen in Serie in die Pause geschickt zu haben.
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