In der Analyse eines Fußballspiels ist es von Bedeutung, sowohl den Schauplatz als auch die Art und Weise der Betrachtung zu berücksichtigen. Beispielsweise stellte sich das letzte Spiel von Hertha BSC im Jahr 2025 gegen Arminia Bielefeld, das mit einem Unentschieden (1:1) endete, im Stadion als wenig aufregend dar. Im heimischen Umfeld hingegen bot es über einen längeren Zeitraum hinweg ein angenehmes Vorabendprogramm. Der Begriff „Kickerchen“ beschreibt treffend diesen Zustand, in dem man unter dem Grundrauschen einer weitgehend ereignislosen Partie dahin döst.
Für Anhänger von Hertha oder Bielefeld war dieses „Kickerchen“ jedoch kaum genießbar. Emotional verbundene Fans sind in der Regel zu angespannt, um wirklich entspannen zu können. Aus neutraler Perspektive lässt sich jedoch festhalten, dass die ersten 45 Minuten dieser Begegnung eher einem soliden Schnarchen glichen, das durchaus eine Wiederholung wert gewesen wäre.
Die taktischen Ausrichtungen der Teams
Die Frage nach den Gründen für den Spielverlauf ist stets von Interesse. Mehrere Gründe könnten hier angeführt werden, wobei die offensichtlichste die jeweilige Spielweise der beiden Mannschaften war. Bielefeld, als Aufsteiger und nach vier sieglosen Spielen, übernahm von Anfang an die Rolle des Underdogs und stellte sich defensiv auf, in der Hoffnung auf Konter durch schnelle Offensivspieler. Hertha hingegen erhielt das Spielgerät und hatte damit ein Problem, das nicht zu ignorieren war.
Zur Mitte der ersten Halbzeit könnte man den Eindruck gehabt haben, dass die Spieler der Gastgeber sich irritiert gegenseitig anblickten mit der Frage: Was ist unser Plan? Da die Antwort darauf nicht über das blinde Vorwärts-Drängen hinausging, gerieten die Angriffsbemühungen Berlins oft in übermäßigen Stress. Anstatt in Ruhe den Ball rund um den Strafraum der Bielefelder spielen zu lassen, wollte Hertha schon nach der Mittellinie den entscheidenden Pass spielen. Infolgedessen fanden die Offensivspieler wie Marten Winkler, Michael Cuisance oder Fabian Reese kaum Gelegenheit, Gefahr vor dem Tor zu erzeugen.
Schwächen in der Offensive und deren Folgen
Stoßstürmer Luca Schuler war in den 64 Minuten seines Einsatzes auf lediglich 20 Ballkontakte und einen Torschuss beschränkt. Selbst Balljungen schienen an diesem Abend besser ins Spiel eingebunden zu sein. Unter Trainer Stefan Leitl hat sich jedoch ein gewisses Vertrauen in die Mannschaft aufgebaut, sodass man das Gefühl hatte, dass auch wenn in naher Zukunft nichts Aufregendes geschehen würde, das Bemühen letztendlich doch Früchte tragen könnte. Und tatsächlich gelang der Hertha das 1:0 durch Paul Seguin (67.), der sein erstes Tor für den Verein erzielte.
Der Ausgleich durch Bielefeld kam jedoch in der letzten Phase der Partie, als die Berliner defensiv überzeugten und die Restverteidigung die entscheidende Rolle spielte. Dies galt auch nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Niklas Kolbe in der 15. Minute und nach der Roten Karte für Toni Leistner in der 85. Minute. In der sechsten Minute der Nachspielzeit jedoch straffte sich Bielefeld mit einem glücklichen Ausgleich, was einem Weihnachtswunder gleichkam. Im Football wird dies als „Hail Mary“ bezeichnet, wenn am Ende des Spiels in der Verzweiflung einfach weit geworfen wird.
Obwohl den Berlinern in dieser Situation nicht viel vorzuwerfen blieb, könnte man anmerken, dass sie möglicherweise bereits 2:0 hätten führen können. In der zweiten Halbzeit, die durch Aufregung geprägt war, war ein „Kickerchen“ nicht mehr möglich. Manchmal gibt es auch bei einem Unentschieden Gewinner und Verlierer.