Dirk Zingler, Präsident von Union Berlin, äußert sich besorgt über die aktuelle Entwicklung im Fußball und die damit verbundene Ungleichheit im Wettbewerb. Er kritisiert, dass der sportliche Wettbewerb zunehmend in den Hintergrund gedrängt wird und schlägt eine Umverteilung der finanziellen Mittel vor. Besonders für die bevorstehenden WM-Spiele hat er einen speziellen Wunsch.
Wer wird Deutscher Meister: Union-Frauen oder Union-Männer?
Auf die Frage, wer eher Deutscher Meister wird, die Frauen oder die Männer von Union, antwortet Zingler: „Natürlich die Frauen. Ich werde es wohl nicht mehr erleben, am 34. Spieltag mit der Männermannschaft von Union auf Platz 1 vor den Bayern zu stehen.“ Er betont, dass die Entwicklungen im männlichen Profifußball kaum noch umkehrbar seien. Einnahmen aus internationalen Wettbewerben führten dazu, dass viele Vereine nicht mehr in der Lage seien, in die oberen Tabellenregionen vorzudringen.
Die Probleme im Fußball
Zingler erklärt, dass seit vielen Jahren ein nationaler und internationaler Verteilungsschlüssel existiert, der die Struktur im männlichen Profifußball festigt. „Mir fehlt die Fantasie, dass das korrigiert werden kann“, sagt er. Er fordert eine Ausschüttung der internationalen Erträge ausschließlich an Vereine, die nicht international spielen, um den sportlichen Wettbewerb wieder in den Vordergrund zu rücken.
Die Auswirkungen der finanziellen Ungleichheit
„Im Männerfußball kann sich der Klub mit dem meisten Geld auch die meisten Fehler erlauben.“
Zingler führt weiter aus, dass im Männerfußball ein Verein mit hohem finanziellen Spielraum auch bei fehlerhaften Transfers keine großen Konsequenzen fürchten muss. „Je mehr Geld im Umlauf ist, desto weniger Bedeutung haben gute oder schlechte Entscheidungen“, erklärt er. Der Umsatz von Union Berlin beträgt 190 Millionen Euro, während der FC Bayern München eine Milliarde erwirtschaftet. Zingler fragt sich, was Bayern falsch machen müsste, damit Union sie überholen könnte.
Unterschiede im Frauenfußball
Im Gegensatz dazu sieht Zingler im Frauenfußball eine andere Situation. Hier spielen finanzielle Mittel aus internationalen Geschäften und Vermarktungserträgen noch nicht die gleiche Rolle. „Die eigenen vereinspolitischen und unternehmerischen Entscheidungen haben eine viel höhere Relevanz“, so Zingler. Er ist überzeugt, dass eine Vielzahl richtiger Entscheidungen Union im Frauenfußball ermöglichen kann, ganz vorne mitzuspielen.
Attraktivität der Bundesliga
Die Bundesliga wird als Produkt betrachtet, das von der Vielzahl erfolgreicher Vereine abhängt. Zingler betont, dass die Liga von 18 verschiedenen Ideen profitiert. „Ich glaube, dass wir durch einen attraktiven 1. FC Union Berlin unseren Teil dazu beitragen, eine attraktive Bundesliga zu bieten“, sagt er. Fußball sei in erster Linie ein regionales Phänomen, und die Fans identifizieren sich mit dem Klub, mit dem sie sozialisiert wurden.
Vorbereitung auf die WM
In Bezug auf die bevorstehende WM äußert Zingler Bedenken. „Ich mache mir ein bisschen Sorgen“, erklärt er. Er kritisiert die Kadernominierung und bedauert, dass es nicht gelingt, fachlich richtige Entscheidungen so zu kommunizieren, dass sie Freude bei den Menschen erzeugen. „Aktuell ist es auch schwer in unserem Land. Gefühlt bereitet uns derzeit gar nichts mehr Freude“, fügt er hinzu.
Sportliche Erwartungen und Zukunftsperspektiven
„Wenn wir früh ausscheiden sollten, hoffe ich, dass wir darüber traurig sind. Aber nicht sauer.“
Auf die Frage nach seinen sportlichen Erwartungen für die WM sagt Zingler, dass er hofft, dass die Menschen, die ihr Bestes gegeben haben, nicht enttäuscht sind. Er spricht auch über seine Zukunft als Präsident von Union Berlin und plant Gespräche mit dem Aufsichtsrat im Januar oder Februar 2029. „Es macht mir viel Spaß, diesen wunderbaren Klub zu führen“, erklärt er und betont die Stabilität in den Gremien des Vereins.
Ausblick auf die kommenden Jahre
Zingler ist optimistisch, dass die anstehenden Projekte, wie der Ausbau des Stadions und die Entwicklung des Trainingszentrums, erfolgreich umgesetzt werden können. „Wenn nur einige unserer vor uns liegenden großen Projekte gut gelingen, dann wird es eine erfolgreiche Zeit“, schließt er seine Ausführungen.
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