Der Frauenfußball hat sich in den letzten Jahren zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig entwickelt, der zunehmend das Interesse von Sponsoren und Investoren auf sich zieht. Wirtschaftswissenschaftler Henning Zülch äußert sich zu den aktuellen Entwicklungen im Investoreneinstieg und deren Wahrnehmung im Vergleich zum Männerfußball.
Henning Zülch: Logische Entwicklung für Investoreneinstieg
Mit dem kürzlichen Einstieg des Monarch-Collective bei Viktoria Berlin wird ein wichtiges Zeichen für den Frauenfußball gesetzt. Dieser Investor ist der erste weltweit, der sich auf Frauensport spezialisiert hat und in den oberen Ligen aktiv wird. Zülch erklärt, dass dieser Schritt aus der Perspektive der Investoren absolut sinnvoll erscheint, da der Frauenfußball aktuell als ein „early growth market“ wahrgenommen wird. Die steigende Reichweite und das wachsende Interesse an Sponsoring machen Investments in diesem Bereich attraktiv, insbesondere angesichts der momentan niedrigen Bewertungen der Clubs.
Ein weiterer entscheidender Punkt ist, dass Deutschland trotz der sportlichen Qualitäten bisher kein zentrales Ziel für Investitionen im Frauenfußball war. Der Einstieg eines internationalen Investors ist demnach ein klares Zeichen dafür, dass der Markt bereit für professionelle Kapitalpartnerschaften ist. Im vergangenen Jahr belief sich der Umsatz im globalen Frauenfußball auf 116 Millionen Euro, was eine Steigerung von 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahr darstellt.
Vorteile des Investoreneinstiegs für Viktoria Berlin
Die Wahl von Viktoria Berlin durch Monarch wird mit der Attraktivität der Hauptstadt und dem wertebasierten Ansatz des Projekts begründet.
Der Investor plant, bis zu 38 Prozent der Stimmanteile des Klubs zu erwerben, wobei die 50+1-Regel beibehalten wird. Zülch hebt hervor, dass der Einstieg von Monarch in Einklang mit den Bemühungen zur Professionalisierung des Frauenfußballs steht. Der Deutsche Fußball-Bund hat angekündigt, 100 Millionen Euro in die Professionalisierung des Frauenfußballs zu investieren, was zusätzlich zur Stabilität und zu besseren Infrastrukturen beitragen wird.
Der Frauenfußball differenziert sich deutlich vom Männerfußball
Zülch bemerkt zudem, dass der Einsatz zusätzlicher Finanzmittel im Frauenfußball nicht in teure Spielertransfers fließt, sondern vielmehr in die Professionalisierung und Verbesserung der Strukturen. Das durchschnittliche Gehalt im Frauenfußball liegt bei 10.900 US-Dollar pro Jahr, während in den Topligen etwa 24.000 US-Dollar erzielt werden. Diese Unterschiede bieten erhebliches Wachstumspotenzial, das durch strukturiertes Investment gefördert werden kann.
Unterschiedliche Wahrnehmung des Frauenfußballs
Ein wesentlicher Aspekt des Gesprächs ist die unterschiedliche Wahrnehmung von Investoren im Frauen- und Männerfußball.
Zülch betont, dass der Einstieg von Investoren bei Viktoria Berlin anders wahrgenommen wurde als im Männerfußball. Während im Männerbereich oft Skepsis und Misstrauen gegenüber Investoren herrschen, wird im Frauenfußball der Einstieg als Möglichkeit zur Anerkennung und Entwicklung betrachtet. Diese positive Einstellung ist eng mit der Kommunikation des Investors verknüpft, der von Anfang an betont hat, die Grundwerte des Vereins zu respektieren.
Die unterschiedlichen Perspektiven zwischen Männer- und Frauenfußball zeigen sich auch in den Governance-Signalen. Investoren, die Mitbestimmungsrechte akzeptieren und die Einhaltung von Regeln betonen, werden im Frauenfußball als kompatibler mit der Fankultur wahrgenommen.
Insgesamt dürfte der Einstieg des Monarch-Collective bei Viktoria Berlin eine positive Entwicklung für den Frauenfußball darstellen, die sowohl die sportliche Leistungsfähigkeit als auch die Vermarktungsmöglichkeiten langfristig verbessern könnte.
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