Der Goldpreis hat in den letzten Tagen einen Rückgang von 20 Prozent verzeichnet, nachdem er seit Herbst 2025 einen bemerkenswerten Anstieg erlebt hatte. Ende Januar fiel der Preis deutlich, hat sich jedoch mittlerweile wieder stabilisiert. Die Frage bleibt, wie es nun weitergeht.
Antje Erhard, eine erfahrene Journalistin und TV-Moderatorin, berichtet seit rund 20 Jahren über wirtschaftliche Themen. Ihr beruflicher Werdegang führte sie unter anderem von der Nachrichtenagentur dpa-AFX zum ZDF und aktuell zur ARD-Finanzredaktion in Frankfurt, wo sie täglich über Entwicklungen an den Finanzmärkten informiert.
Ursachen für den Rückgang des Goldpreises
Die Korrektur des Goldpreises war längst überfällig. Der Preis pro Feinunze war auf nahezu 5.600 US-Dollar gestiegen, was auf verschiedene geopolitische Risiken zurückzuführen war. Die Intervention von US-Präsident Donald Trump in Venezuela sowie seine Ambitionen bezüglich Grönland sorgten weltweit für Unsicherheit unter den Investoren. Dies führte zu einer verstärkten Nachfrage nach Gold, das als sicherer Hafen gilt. Wegen guter Zusammenarbeit: Trump sagt zweiten Angriff auf Venezuela ab
Zusätzlich trugen Bedenken hinsichtlich der Unabhängigkeit der US-Notenbank unter der aktuellen Administration zur Flucht in Gold bei. Trump hatte mehrfach versucht, die Federal Reserve (Fed) zu Zinssenkungen zu bewegen und drohte Fed-Chef Jerome Powell mit einer Entlassung. Obwohl Powells Vertrag planmäßig im Mai endet, steht er seit einem Jahr unter dem Druck des Präsidenten.
Politische Einflüsse auf die Geldpolitik
Die Geschichte zeigt, dass politische Einflüsse auf die Notenbankpolitik Investoren alarmieren können. Ein Beispiel hierfür ist die Situation in den 1970er-Jahren, als Präsident Richard Nixon Druck auf den Fed-Chef ausübte, um die Zinssätze niedrig zu halten, was zu hoher Inflation und Arbeitslosigkeit führte. Daher ist es wenig überraschend, dass die Investoren auch diesmal reagierten, jedoch anders als erwartet.
Ende Januar kam es zu einem abrupten Ende der Gold-Rally, als der Preis auf 4.400 US-Dollar pro Feinunze fiel. Der Grund dafür war die Ankündigung von Trump, Kevin Warsh als neuen Fed-Chef zu nominieren. Warsh, ein ehemaliger Notenbanker, hat sich in der Vergangenheit für eine Reduzierung der Bilanz der Fed ausgesprochen. Doch was bedeutet das konkret für die Geldpolitik und den Goldpreis?
Die Auswirkungen einer kleineren Bilanz der Fed
Die Bilanz der Fed setzt sich hauptsächlich aus Wertpapieren wie Staatsanleihen zusammen, die zur Sicherung von Liquidität in Krisenzeiten und zur Finanzierung der US-Staatsschulden erworben werden. Die Fed darf Staatsanleihen nicht direkt vom Finanzministerium kaufen, sondern erwirbt diese von Banken, wodurch neues Geld geschaffen wird.
Eine Verkleinerung der Bilanz bedeutet, dass die Fed weniger Anleihen kauft, was dem Finanzsystem Geld entzieht. Diese Maßnahme hat praktische Auswirkungen: Banken werden bei der Kreditvergabe vorsichtiger, was zu einer Verknappung und Verteuerung von Krediten führt. Dies stellt insbesondere für Unternehmen, die investieren möchten, ein erhebliches Problem dar.
Gold als Krisenwährung
Ein Rückgang der Liquidität an den Kapitalmärkten führt zu weniger Geld für Investitionen und Spekulationen, was sich negativ auf die Aktienkurse auswirkt. Gleichzeitig steigt das Angebot an Anleihen, wenn ein großer Käufer wie die Fed wegfällt, was zu fallenden Preisen führt.
Der Goldpreis reagierte auf die Anzeichen einer möglichen geldpolitischen Wende infolge der Nominierung von Warsh. Investoren mussten plötzlich mit weniger Anleihenkäufen und damit weniger Liquidität sowie einem stärkeren US-Dollar rechnen. Da Gold in US-Dollar gehandelt wird, führt ein Anstieg des Dollars zu einem Rückgang des Goldpreises, da Gold für Investoren aus anderen Währungsräumen teurer wird.
Die Zukunft des Goldpreises
Gold gilt als Krisenwährung und Absicherung gegen Inflation sowie Staatsverschuldung. Die USA sind derzeit stark verschuldet, was den Goldpreis in den Jahren 2024 und 2025 in die Höhe trieb. Dieser Anstieg wurde jedoch abrupt gestoppt.
Aktuell hat sich die Situation gewandelt: Gold verliert an Wert in einem Umfeld mit monetärer Disziplin und weniger Liquidität. Die Erkenntnis der Investoren ist, dass der neue Fed-Chef möglicherweise für diese Veränderungen steht. Allerdings war Warsh lediglich der Auslöser für die Korrektur des Goldpreises, nicht die Ursache. Der jüngste Anstieg des Goldpreises war stark spekulativ geprägt, was zu einer ungewöhnlichen Dynamik führte, die viele Investoren anlockte.
Ausblick auf die Goldmärkte
Die Argumente, die für Gold sprechen, sind nach wie vor vorhanden. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Geldpolitik der größten Notenbank der Welt entwickeln wird. Kursziele von 7.000 US-Dollar pro Feinunze, die gelegentlich diskutiert werden, erscheinen derzeit jedoch als übertrieben. Eine schnelle Veränderung durch den US-Präsidenten ist unwahrscheinlich.