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Mit 43-Millionen-Tonnen-Lithium-Schatz könnte Deutschland sich unabhängig machen

In Sachsen-Anhalt könnte ein bedeutendes Lithiumvorkommen entdeckt worden sein, das Deutschland helfen könnte, unabhängiger von ausländischen Rohstofflieferungen zu werden. Die innovative Gewinnung aus Thermalwasser verspricht eine umweltfreundliche Alternative zum traditionellen Bergbau.

Mit 43-Millionen-Tonnen-Lithium-Schatz könnte Deutschland sich unabhängig machen
Bildquelle: Albert Hyseni auf Unsplash

In Deutschland wurde ein bedeutendes Lithiumvorkommen von 43 Millionen Tonnen entdeckt. In Sachsen-Anhalt könnte ein ehemaliges Gasfeld zur Quelle dieses wichtigen Rohstoffs für Elektrofahrzeuge werden.

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Deutschland strebt seit geraumer Zeit danach, bei essenziellen Rohstoffen unabhängiger zu werden. Insbesondere im Bereich der Batterien spielt Lithium eine entscheidende Rolle. Ohne diesen Rohstoff sind Elektroautos nicht fahrbar, große Energiespeicher funktionieren nicht und auch viele Smartphones wären ohne Lithium nicht denkbar. Bisher stammt der Großteil des Lithiums aus Ländern wie Chile, Australien oder China. Nun richtet sich die Aufmerksamkeit jedoch auf Sachsen-Anhalt.

Unter der Altmark, einer Region, die seit Jahrzehnten für ihre Erdgasvorkommen bekannt ist, liegen laut Angaben von Neptune Energy rund 43 Millionen Tonnen Lithiumkarbonat-Äquivalent. Das Unternehmen beruft sich auf eine unabhängige Bewertung nach dem Standard CIM / NI 43-101.

Falls sich dieses Potenzial wirtschaftlich erschließen lässt, könnte dort eines der größten Lithiumprojekte in Europa entstehen. Aus einem ehemaligen Gasstandort könnte ein neuer Baustein für die Batterieproduktion hervorgehen.

Lithium aus Deutschland könnte Europas Abhängigkeit reduzieren

„Diese neue Bewertung zeigt das große Potenzial unserer Lizenzgebiete in Sachsen-Anhalt. Damit können wir einen wichtigen Beitrag zur deutschen und europäischen Versorgung mit dem kritischen Rohstoff Lithium leisten“, erklärte Andreas Scheck, der CEO von Neptune Energy.

Die unabhängige Prüfgesellschaft Sproule ERCE ermittelte die 43 Millionen Tonnen Lithiumkarbonat-Äquivalent, kurz LCE. Das Unternehmen bezeichnet dies als eines der größten bekannten Lithiumvorkommen aus Thermalwasser weltweit. Wie Neptune Energy gegenüber anderen Medien erklärte, bleibt diese Ressourcenbasis weiterhin gültig.

Ein Gasfeld wird zum Lithium-Standort

Die Altmark ist kein neuer Standort für industrielle Aktivitäten. Seit 1969 wird dort Erdgas gefördert. Die Region hat über 55 Jahre Erfahrung mit Bohrungen, Leitungen und unterirdischen Lagerstätten. Die vorhandene Infrastruktur macht das Projekt besonders attraktiv.

Lithium soll dort nicht wie in traditionellen Bergbaugebieten im Tagebau gewonnen werden. Es entstehen also keine riesigen offenen Gruben. Stattdessen nutzt Neptune heißes, salzhaltiges Tiefenwasser, auch Sole genannt, in dem Lithium gelöst ist.

Das Verfahren, das als Direct Lithium Extraction (DLE) bekannt ist, unterscheidet sich erheblich von vielen bekannten Lithiumprojekten in Südamerika. Neptune hebt mehrere Vorteile hervor:

  • kein offener Tagebau
  • keine großen Verdunstungsbecken
  • deutlich geringerer Flächenverbrauch

In Deutschland ist dies von großer Bedeutung, da neue Rohstoffprojekte oft auf Widerstand stoßen, wenn sie das Landschaftsbild verändern.

Das Lithium ist im Wasser und nicht im Gestein

Lithium wird häufig mit Minen und staubigen Abbaugebieten assoziiert. In der Altmark ist dies jedoch anders. Das Metall liegt nicht als sichtbares Erz im Boden, sondern ist gelöst in Thermalwasser, das sich mehrere tausend Meter unter der Erde befindet.

Dieses Wasser wird nach oben gepumpt, und spezielle Anlagen filtern das Lithium heraus. Das restliche Wasser wird anschließend weiterbehandelt. Das Projekt ähnelt daher eher einem Energievorhaben als dem klassischen Bergbau.

Frühere Untersuchungen beschreiben in diesem Gebiet stark mineralisierte Sole mit erhöhtem Lithiumgehalt. Die geologischen Bedingungen gelten als günstig, da das heiße Wasser über lange Zeit mit bestimmten Gesteinen reagiert und so Lithium im Untergrund anreichert.

Pilotanlagen testen die Wirtschaftlichkeit der Förderung

Ob ein großes Vorkommen wirtschaftlich nutzbar ist, zeigt sich erst im praktischen Betrieb. Daher laufen in der Altmark seit Monaten mehrere Pilotprojekte.

Ein zweiter Test mit dem Technologiepartner Lilac wurde im August 2025 abgeschlossen. Laut Neptune entstand dabei Lithiumkarbonat in Batteriequalität unter Verwendung eines Ionenaustauschverfahrens.

Seit Mitte September läuft ein dritter Pilotversuch, bei dem ein Adsorptionsverfahren getestet wird. Wie Neptune Energy erklärte, wird ab Juni erneut eine temporäre Pilotanlage in Sachsen-Anhalt eingesetzt.

Das Unternehmen prüft verschiedene Technologien, um die am besten geeignete Lösung für die Altmark auszuwählen. Erst danach soll der nächste große Schritt folgen.

Ab 2030 könnte Lithium aus Deutschland für Hunderttausende Elektroautos ausreichen

Nach der Pilotphase plant das Unternehmen den Bau einer Demonstrationsanlage. Dort soll unter realen Bedingungen getestet werden, ob sich die Förderung auch im industriellen Maßstab lohnt.

„Ab 2030 ist geplant, die kommerzielle Lithiumproduktion schrittweise auf bis zu 25.000 Tonnen LCE pro Jahr hochzufahren“, teilte Neptune Energy auf Anfrage mit.

Diese Menge könnte spürbare Auswirkungen auf die Industrie haben. Nach früheren Angaben könnte sie Material für rund 500.000 Elektroautos pro Jahr liefern. Für Deutschland wäre dies ein bedeutender Schritt, da die Rohstoffe für Batterien bislang fast vollständig importiert werden.

Bis dahin bleiben viele Fragen offen:

  • Wie hoch sind die tatsächlichen Produktionskosten?
  • Wie schnell kommen die Genehmigungen?
  • Lässt sich das Verfahren dauerhaft wirtschaftlich betreiben?

Erst wenn diese Punkte geklärt sind, wird aus dem Projekt ein echter Industriestandort.

Die Altmark hofft auf einen wirtschaftlichen Aufschwung

Für die Region geht es um weit mehr als nur Lithium. Viele frühere Energiegebiete suchen nach neuen Perspektiven. Die Altmark könnte ein Beispiel dafür werden, wie ein alter Gasstandort eine zweite industrielle Zukunft erhält.

Axel Wenke, Director of New Energy bei Neptune Energy, äußerte sich dazu: „Die Altmark verbindet geologisches Potenzial, bestehende Infrastruktur und technisches Know-how – perfekte Voraussetzungen, um den Wandel von der Erdgasförderung hin zu einer umweltfreundlichen Lithiumgewinnung erfolgreich umzusetzen.“

Wo früher vor allem Erdgas gefördert wurde, könnte künftig ein Rohstoff gewonnen werden, der für Europas Batterieindustrie immer wichtiger wird. Damit könnte sich nicht nur ein Standort in Sachsen-Anhalt verändern, sondern möglicherweise auch ein Teil der deutschen Rohstoffpolitik.


Quellen: Focus

Bildquelle: Bildquelle: Albert Hyseni auf Unsplash

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