Politik
Studie zeigt: Abschaffung der Rente mit 63 könnte Milliarden einsparen
03.06.2026, 08:43 Uhr
Jedes Jahr profitieren bis zu 280.000 Erwerbstätige von der Möglichkeit, mit 63 Jahren in Rente zu gehen. Eine aktuelle Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) legt jedoch nahe, dass diese Regelung die Staatskasse erheblich belastet. Die Studie zeigt, dass eine Abschaffung der abschlagsfreien Rente für langjährig Versicherte die öffentlichen Kassen um 9,5 Milliarden Euro pro Jahrgang entlasten könnte.
Zusätzlich könnten durch eine solche Maßnahme etwa 125.000 Vollzeitstellen auf dem Arbeitsmarkt verfügbar werden. Die Rente mit 63 ermöglicht es Beschäftigten, nach 45 Beitragsjahren vorzeitig und ohne Abschläge in den Ruhestand zu gehen. Jährlich nehmen rund 250.000 bis 280.000 Erwerbstätige diese Option in Anspruch.
Finanzielle Auswirkungen und Arbeitsmarkteffekte
Die Rentenversicherung könnte laut der Analyse pro Rentnerjahrgang um etwa 10,4 Milliarden Euro entlastet werden. Die Forscher schätzen, dass die Betroffenen ihren Renteneintritt im Durchschnitt um zehn Monate hinauszögern würden. Demgegenüber stünden jedoch Mindereinnahmen bei Steuern und Sozialabgaben von insgesamt rund 900 Millionen Euro.
„Der Staat lässt sich das Angebot der Rente mit 63 jedes Jahr viele Milliarden Euro kosten“, erklärte André Schleiter, Arbeitsmarktexperte der Bertelsmann-Stiftung. „Es belastet die Rentenkasse, zugleich gehen der Wirtschaft Kompetenz, Fachwissen und Arbeitskraft vorzeitig verloren.“
Ein Wegfall dieser Regelung würde dem Arbeitsmarkt zusätzlich 125.000 Vollzeitkräfte zur Verfügung stellen. Entgegen der weit verbreiteten Meinung wird die abschlagsfreie Frührente nicht nur von Personen in körperlich anstrengenden Berufen in Anspruch genommen. Anspruchsberechtigt sind vor allem Menschen mit langen und stabilen Erwerbsbiografien, die überdurchschnittlich hohe Rentenansprüche haben.
„Weit größer ist doch der Nutzen, der entsteht, wenn es gelingt, erfahrene, gut qualifizierte Beschäftigte einige Monate oder gar Jahre länger im Job zu halten“, betonte Eric Thode, ebenfalls Arbeitsmarktexperte der Bertelsmann-Stiftung.
Kritik an pauschaler Abschaffung
Die Autoren der Studie äußern jedoch Bedenken gegenüber einer pauschalen Abschaffung der Regelung. Diese würde insbesondere Personen mit eingeschränkter Erwerbsfähigkeit stark benachteiligen, da sie gezwungen wären, Rentenabschläge in Kauf zu nehmen. Um dies zu vermeiden, schlagen die Experten der Bertelsmann-Stiftung Ausnahmeregelungen vor, wie etwa eine individuelle Gesundheitsprüfung, eine neu gestaltete Berufsunfähigkeitsversicherung oder die Berücksichtigung des Einkommens.
Darüber hinaus sei es entscheidend, in Weiterbildung und gesunde Arbeitsbedingungen zu investieren, um mehr Menschen ein längeres Arbeiten zu ermöglichen.
Aktuelle Entwicklungen und Ausblick
Die sogenannte Rente mit 63 erlaubt es Beschäftigten, nach mindestens 45 Beitragsjahren 24 Monate vor dem Regelrentenalter ohne Abschläge in den Ruhestand zu gehen. Derzeit liegt das Regelrentenalter bei 66 Jahren und vier Monaten. Rund 30 Prozent aller neuen Renten entfallen auf diese Option, was etwa ein Fünftel der Gesamtausgaben der Gesetzlichen Rentenversicherung ausmacht – mit steigender Tendenz.
Die von der Bundesregierung eingesetzte Rentenkommission wird Ende Juni ihren Bericht vorlegen. Im Rahmen einer geplanten Reform werden derzeit verschiedene Möglichkeiten zur Stabilisierung der Rentenkassen erörtert.
Quellen: n-tv