Tanker sind in der Straße von Hormus vor Anker: Diese Meerenge stellt eine entscheidende Route für den globalen Handel dar, und ihre Blockade wird als geopolitisches Druckmittel eingesetzt.
Die Bundesregierung hat signalisiert, dass sie bereit ist, die deutsche Marine an der Sicherung der Straße von Hormus zu beteiligen. Deutschland kann dabei wertvolle Ressourcen bereitstellen, wie Minenjagdboote und Aufklärungsflugzeuge. Dies geschieht jedoch erst nach einem stabilen Waffenstillstand und nur mit klaren Mandaten der UNO sowie des Bundestages, in Zusammenarbeit mit Partnern wie Frankreich und Großbritannien. Es bleibt wichtig, gegenüber den USA, insbesondere unter der Führung von Donald Trump, standhaft zu bleiben, solange die Feindseligkeiten andauern. „Dies ist nicht unser Krieg“, so die treffende Einschätzung von Boris Pistorius.
Die Auswirkungen dieses Konflikts sind für Deutschland spürbar. Dies zeigt sich nicht nur an den steigenden Preisen an den Tankstellen und den erhöhten Lebenshaltungskosten, die alle Bürger betreffen. Es geht um eine grundlegende Frage: Freie Seewege sind für eine Handelsnation wie Deutschland von existenzieller Bedeutung – und das gilt weit über die Straße von Hormus hinaus.
Multinationale Mission zur Sicherung der Meerenge
Die jüngsten Entwicklungen in der Straße von Hormus zeigen, dass eine multinationale Mission mit deutscher Unterstützung erforderlich sein könnte. Der US-Iran-Konflikt hat die Situation erneut angespannt, und die Meerenge ist wieder für den Handel gesperrt.
Vor 16 Jahren äußerte der damalige Bundespräsident Horst Köhler im Deutschlandfunk, dass Auslandseinsätze zur Sicherung freier Seewege legitim seien. Diese Aussage stieß auf heftige Kritik, und Köhler wurde als Militarist angegriffen, der eine „Kanonenbootpolitik“ propagieren wolle. Kaum jemand verteidigte ihn, und er trat enttäuscht zurück. Seine Worte, die damals auf taube Ohren stießen, sind heute aktueller denn je. Denn die „Kanonenbootpolitik“ erlebt eine Renaissance, insbesondere unter Donald Trump, der nach Venezuela auch den Iran ins Visier genommen hat und bereits Pläne für Kuba angekündigt hat.
Die Rückkehr der Geopolitik
Wir sind Zeugen einer Rückkehr der Geopolitik und einer gleichzeitigen Erosion des Völkerrechts, einschließlich des Seerechts. Geografie spielt wieder eine entscheidende Rolle in der internationalen Politik. Großmächte sichern sich Einflusszonen und beanspruchen ganze Hemisphären für sich, während sie Land- und Seekarten nach sogenannten „Chokepoints“ durchsuchen. Diese strategischen Engpässe können genutzt werden, um Warenströme und Lieferketten zu unterbrechen und einem Gegner zu schaden.
Meerenge wie die Straße von Hormus, die unsere global vernetzte Wirtschaft miteinander verbindet, erweisen sich als mächtige Waffen. Obwohl der Iran angekündigt hat, die Meerenge für Handelsschiffe wieder zu öffnen, knüpft das Regime diese Zusage an die Bedingung, dass der Waffenstillstand im Libanon eingehalten wird, wo Israel seine Stellvertreter-Miliz Hisbollah bombardiert hat.
Geopolitische Machtspiele und ihre Folgen
Teheran stellt also Bedingungen, obwohl es militärisch bereits geschlagen ist. Diese Situation verdeutlicht die Macht der Geografie. Trump reagierte auf die iranische Blockade mit einer Gegen-Blockade. Die Wette lautet: Wer kann mehr Schmerzen ertragen, das iranische Regime oder die vernetzte Weltwirtschaft? Das Regime hat gelernt, dass es durch die Kontrolle der Meerenge die gesamte Region und sogar die Welt als Geisel nehmen kann – und das mit minimalen Mitteln, wie Minen, Schnellbooten und Drohnen. Diese Taktik könnte jederzeit wiederholt werden.
Darüber hinaus könnte dies Nachahmer inspirieren. Rund 4000 Seemeilen östlich von Hormus haben chinesische Schiffe bereits begonnen, ein strategisch wichtiges Atoll in der Nähe der Philippinen abzuriegeln, während die US-Navy mit ihrer Armada vor Hormus beschäftigt ist. Das Scarborough-Riff ist für die Philippinen von existenzieller Bedeutung, doch China beansprucht es als Teil seiner Einflusszone im Südchinesischen Meer.
Obwohl dies dem Seerecht widerspricht, können sich die USA auf dieses Recht kaum berufen, da sie es selbst brechen, wenn es ihnen passt. Auch andere Meerengen, wie die Taiwanstraße oder die Straße von Malakka bei Singapur, durch die 40 Prozent des Welthandels verlaufen, könnten für eine ähnliche „Kanonenbootpolitik“ genutzt werden. Eine militärische Blockade dieser Routen hätte verheerende Folgen für die Weltwirtschaft, die weit über die aktuellen Herausforderungen hinausgehen würden. Das Desaster in der Straße von Hormus sollte uns lehren, solche Konflikte zu vermeiden.
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