Die Inbetriebnahme des Tiefbahnhofs Stuttgart 21 wird erneut verschoben, was zu einer erheblichen Steigerung der Projektkosten führt. Die Deutsche Bahn rechnet mit zusätzlichen Ausgaben von rund drei Milliarden Euro, wodurch die Gesamtkosten auf etwa 14,5 Milliarden Euro ansteigen. Dies entspricht nahezu dem Fünffachen der ursprünglich veranschlagten Summe.
Verschiebung und Kostenexplosion
Die Bahn-Chefin Evelyn Palla bestätigte die neuen Zahlen und die Verschiebung der Eröffnung um fünf Jahre. Der neue Tiefbahnhof soll nun im Dezember 2031 in Betrieb gehen. Darüber hinaus wird erwartet, dass alle weiteren Elemente des Projekts, einschließlich zusätzlicher Bahnhöfe und Tunnel im Großraum Stuttgart, erst bis Dezember 2033 fertiggestellt werden. Diese Verzögerungen und die damit verbundenen Kostensteigerungen stellen für die Deutsche Bahn ein finanzielles Desaster dar, da das Unternehmen laut einem Gerichtsurteil alle Mehrkosten, die über den Finanzierungsvertrag hinausgehen, selbst tragen muss. Besonders betroffen ist auch die wichtige Bahnstrecke zwischen Hamburg und Berlin, die erst ab Juni wieder befahrbar sein wird.
Rechtliche Auseinandersetzungen
Ein Versuch der Projektpartner, darunter das Land Baden-Württemberg, die Stadt Stuttgart und der Flughafen Stuttgart, die Bahn zur Beteiligung an den zusätzlichen Kosten zu bewegen, scheiterte vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart. Ein Antrag auf Berufung wurde vom Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg abgelehnt.
Gravierende Defizite in der Planung
In einer Pressekonferenz stellte Palla zusammen mit dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Cem Özdemir und dem Stuttgarter Oberbürgermeister Frank Nopper einen Konzernbericht zur Entwicklung des Projekts vor. Palla erklärte, dass die Untersuchung „erhebliche Projektversäumnisse festgestellt und offengelegt“ habe. „Der Bericht zeigt gravierende Defizite in Planung, Steuerung und Risikomanagement“, sagte sie weiter. Um die komplexen Prozesse besser zu steuern, versprach sie eine Neuaufstellung der verantwortlichen Stellen.
Transparenz und Realismus gefordert
Özdemir äußerte sich ebenfalls kritisch und betonte, dass es kaum zu erklären sei, dass es bereits die neunte Verschiebung um weitere fünf Jahre gebe. Er lobte Palla für ihre Offenheit und betonte die Notwendigkeit maximaler Transparenz. „Wir brauchen einen leistungsfähigen Bahnknoten mit maximaler Kapazität, hoher Pünktlichkeit und vollständiger Digitalisierung“, fügte er hinzu.
Technische Herausforderungen
Bereits am Mittwoch hatten Bahnvertreter in einer Sitzung des Verkehrsausschusses im Bundestag die erneute Verschiebung der Eröffnung von Stuttgart 21 angekündigt. Seit gut 16 Jahren wird an dem Projekt gearbeitet. Die Bahn nannte als Hauptgründe für die Verzögerung unter anderem die Digitalisierung des Stuttgarter Bahnknotens, die sich als deutlich komplizierter herausgestellt hat als ursprünglich angenommen. Zudem gibt es Probleme mit einem Technikgebäude, das für den aktuellen Bedarf nicht mehr geeignet ist. Auch bei der Steuerungstechnik und der Energieversorgung sind Nachbesserungen erforderlich, und Medien berichteten, dass ein neues Notstromkonzept notwendig sei.
Quellen: n-tv
Bildquelle: Pjt56 via Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)