Erwartungen an die Kraft des El Niño und seine möglichen Folgen
Das Wetterphänomen El Niño zeigt sich erneut und wird in dieser Phase möglicherweise besonders stark ausgeprägt sein. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Auswirkungen dieser Erscheinung erst im nächsten Jahr merklich zu spüren sein werden. Eine zentrale Frage ist, ob El Niño die gegenwärtigen extremen Hitzewellen in Deutschland und Europa beeinflusst.
Ein renommiertes internationales Forschungsinstitut warnt, dass der kommende El Niño einer der stärksten seit vielen Jahren sein könnte. Dies könnte die Wahrscheinlichkeit extremer Wetterereignisse erhöhen. Tim Stockdale, ein Experte des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF), erklärt, dass die Vorhersagemodelle auf einen „extremen“ El Niño hinweisen. Er hebt hervor, dass noch nie zuvor eine derartige Vorhersage so stark und konstant war.
Merkmale des Phänomens
Das Phänomen El Niño ist durch eine Erwärmung der Oberflächentemperaturen im zentralen und östlichen Pazifik gekennzeichnet. Diese Temperaturveränderungen haben Auswirkungen auf globale Windmuster, Luftdruckverhältnisse und Niederschläge, was in verschiedenen Regionen der Erde sowohl zu Dürren als auch zu Überflutungen führen kann. Normalerweise tritt dieses Phänomen alle zwei bis sieben Jahre auf und hält zwischen neun und zwölf Monaten an. Der letzte El Niño, in Kombination mit dem menschengemachten Klimawandel, hat dazu beigetragen, dass 2023 als das zweitheißeste Jahr und 2024 als das heißeste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gilt.
Klimawandel und seine Rolle
Die außergewöhnlichen Temperaturen, die in Deutschland in den letzten Wochen gemessen wurden, sind jedoch nicht allein auf El Niño zurückzuführen. Forscher haben herausgefunden, dass die Hitzewelle Ende Juni in West- und Mitteleuropa ohne den menschlichen Einfluss auf das Klima fast ausgeschlossen gewesen wäre. Wissenschaftler der Organisation World Weather Attribution betonen, dass die heutigen Tages- und Nachttemperaturen zu dieser Jahreszeit vor einem halben Jahrhundert „praktisch unmöglich“ gewesen wären.
Berechnungen zeigen, dass eine Hitzewelle zu jener Zeit etwa 3,5 Grad kühler gewesen wäre. Der Klimawandel wird als der Hauptgrund für die gegenwärtigen extremen Temperaturen identifiziert. Die Forschungen unter der Leitung von Friederike Otto, einer Wissenschaftlerin am Imperial College London, analysieren den Einfluss des Klimawandels auf Extremwetterereignisse, indem sie beobachtete und historische Daten sowie Modelle miteinander vergleichen.
Wahrscheinlichkeit extremer Temperaturen im heutigen Klima
Die Forscher haben festgestellt, dass die Wahrscheinlichkeit für hohe Nachttemperaturen im aktuellen Klima etwa 100-mal höher ist als im Jahr 2003, als Europa ebenfalls von einer Hitzewelle betroffen war. Auch die Tageshöchsttemperaturen sind heutzutage etwa zehnmal wahrscheinlicher geworden. Zudem wurde ausgeschlossen, dass El Niño einen Einfluss auf die aktuelle Hitzewelle hat, da es nur begrenzte Auswirkungen auf das Klima in Europa hat.
Wissenschaftliche Einschätzung
Friederike Otto spricht über die gegenwärtigen Temperaturen und betont, dass immer wieder auf die Rolle des Klimawandels hingewiesen werden muss. Sie erklärt, dass die Verantwortung für die aktuellen klimatischen Veränderungen beim Menschen liegt. Lösungen existieren bereits, werden jedoch nicht schnell genug umgesetzt. Die Herausforderungen, die durch den Klimawandel entstehen, erfordern dringende Maßnahmen, um die negativen Auswirkungen auf Wetter und Umwelt zu minimieren.
Quellen: n-tv, Berliner Zeitung