Die Hypothese über die Existenz eines unbekannten Planeten in unserem Sonnensystem bleibt weiterhin ein faszinierendes Thema in der Astronomie. Astronomen vermuten, dass ein solcher Planet, oft als Planet 9 bezeichnet, existieren könnte, basierend auf der Beobachtung von transneptunischen Objekten (TNOs), die sich weit hinter der Umlaufbahn des Neptuns bewegen.
Unerklärliche Bahnen der transneptunischen Objekte
Einige dieser TNOs zeigen auffällige Bahnen, die sich nicht durch die bekannten Planeten unseres Sonnensystems erklären lassen.
„Besonders schwer zu erklären sind dabei Objekte, die so weit von der Sonne entfernt sind, dass ihre Bahnen nicht durch Wechselwirkungen mit den Planeten erklärt werden können“, erläutert Susanne Pfalzner, Astrophysikerin am Forschungszentrum Jülich.
Ein Muster am Rand des Sonnensystems
Bei der Analyse dieser TNOs entdeckten Forscher eine interessante Gemeinsamkeit: Ihre Umlaufbahnen sind auf eine bestimmte Weise ähnlich ausgerichtet. Diese langgestreckten Bahnen scheinen nicht unabhängig voneinander zu verlaufen, sondern weisen eine ähnliche Richtung auf. Normalerweise wäre zu erwarten, dass die Bahnen zufälliger verteilt sind.
Diese auffällige Häufung führte zu der Hypothese, dass ein unbekannter Planet die Bahnen dieser Objekte beeinflussen könnte.
„Das war die Geburtsstunde der Hypothese, dass ein weiterer Planet im äußeren Sonnensystem existieren könnte, der gewissermaßen die Bahnen dieser Objekte in eine Richtung zieht“, sagt Pfalzner.
Neue Entdeckungen und deren Auswirkungen
Allerdings könnte ein solches Muster auch irreführend sein. Die Beobachtungen des äußeren Sonnensystems sind begrenzt, da Himmelskörper, die weit von der Sonne entfernt sind, schwächer leuchten und somit schwerer zu entdecken sind. Zudem sind einige Bereiche des Himmels besser untersucht als andere, was zu einem verzerrten Bild führen kann.
Seit 2016 wurden neue, weit entfernte Himmelskörper entdeckt, was dazu führte, dass das ursprüngliche Muster weniger deutlich wurde. Die Hinweise auf die Existenz von Planet 9 haben sich dadurch verringert, jedoch bleibt seine Existenz weiterhin unbewiesen.
Die Suche nach Planet 9
Die Tatsache, dass Planet 9 bislang nicht entdeckt wurde, bedeutet nicht, dass nicht nach ihm gesucht wurde. Forscher haben immer wieder gezielt nach dem möglichen Planeten Ausschau gehalten, jedoch ohne Erfolg. Nach Einschätzung von Pfalzner sind mittlerweile etwa 80 bis 90 Prozent des möglichen Suchraums untersucht.
„Der verbleibende Raum ist schwieriger zu erfassen, da die Sternendichte dort relativ hoch ist“, erklärt sie.
Alternative Erklärungen für die Bahnen
Die Frage bleibt, wie lange die schwierigen Bedingungen als Erklärung für die Nichtentdeckung von Planet 9 herangezogen werden können. Ein klarer Zeitpunkt, an dem die Hypothese als widerlegt gelten müsste, existiert nicht. Je mehr des Suchraums untersucht wird, ohne dass Planet 9 auftaucht, desto schwieriger wird es, seine Abwesenheit allein mit ungünstigen Bedingungen zu erklären.
Es ist zudem möglich, dass die ungewöhnlichen Bahnen der TNOs nicht unbedingt auf einen weiteren Planeten zurückzuführen sind. Laut Pfalzner könnte ein Stern, der vor langer Zeit relativ nah an unserem Sonnensystem vorbeigeflogen ist, die Bahnen der Objekte beeinflusst haben.
„Die Veränderungen, die sein Vorbeiflug verursacht hat, könnten bis heute in den Bahnen der Objekte sichtbar sein“, sagt sie.
Das Vera C. Rubin Observatory als Hoffnungsträger
Eine entscheidende Rolle bei der Klärung der Frage nach der Existenz von Planet 9 könnte das Vera C. Rubin Observatory in Chile spielen. Das Teleskop wird 2026 mit einer zehnjährigen Durchmusterung des Himmels beginnen, um zahlreiche bislang unbekannte Objekte im äußeren Sonnensystem zu identifizieren.
Für die Planet-9-Hypothese ist dies besonders relevant: Je mehr weit entfernte Himmelskörper entdeckt werden, desto besser lässt sich überprüfen, ob die auffällige Ähnlichkeit ihrer Bahnen tatsächlich ein Muster darstellt.
„Es wird erwartet, dass Vera Rubin die Anzahl der bekannten TNOs etwa um einen Faktor acht erhöht“, sagt Pfalzner.
Sollte das Teleskop Planet 9 tatsächlich finden, könnte die jahrzehntelange Suche auf einen Schlag beendet sein. Andernfalls wird es zunehmend schwieriger, die Existenz des Planeten mit den verbleibenden Beobachtungslücken zu erklären.
Über die Gesprächspartnerin
Prof. Dr. Susanne Pfalzner ist Astrophysikerin am Forschungszentrum Jülich, einem der größten interdisziplinären Forschungszentren Europas und Gründungsmitglied der Helmholtz-Gemeinschaft. Dort bringen Forschende aus der ganzen Welt ihre Expertise in den Bereichen Energie, Information und Bioökonomie ein.
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Quellen: web
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